Der Sinn des Lebens

Für die Muslime ist das Leben auf der Erde nur eine sehr kurze Zwischenstation auf dem Weg in das unendliche Jenseits.

Dennoch ist das Diesseits nicht nur ein Ort der Enthaltung und des Leidens. Der Islam lehnt das Prinzip des Mönchtums und der permanenten Züchtigung des Körpers ab.

Allah (t.) ist barmherzig mit seinen Dienern und gewährt uns viele Dinge, die das Leben lebenswert machen. Wir essen und trinken, erfreuen uns an unserem Partner, lieben unsere Kinder und Familien.

Die Muslime dürfen die Freuden des Lebens genießen, solange sie sich innerhalb der erlaubten Grenzen bewegen. Sie sind ein Segen Allahs (t.) und all unsere Gebete könnten nicht zurückgeben, was unser Erschaffer uns tagtäglich gibt.

Der Muslim weiß all die Gaben wertzuschätzen und gibt ihnen die richtige Priorität. Er ist sich bewusst, dass sein Erschaffungsgrund die Dienerschaft an Allah (t.) ist und dass der Islam und der Einsatz für die Sache Allahs (t.) oberste Priorität haben.

So sagt der Allmächtige im Koran:
“Sag: Wenn eure Väter, eure Söhne, eure Brüder, eure Gattinnen und eure Sippenmitglieder, Besitz, den ihr erworben habt, Handel, dessen Niedergang ihr fürchtet, und Wohnungen, an denen ihr Gefallen findet, euch lieber sind als Allah und Sein Gesandter und das Abmühen auf Seinem Weg, dann wartet ab, bis Allah mit Seiner Anordnung kommt! Allah leitet das Volk der Frevler nicht recht.
(Koran, Sure 9, Vers 24)

In diesem Sinne kann man das Leben auch als eine Art Prüfung ansehen. Bestehen wir diese Prüfung, indem wir ein gottesfürchtiges Leben führen, wird Gott uns dafür mit dem Paradies belohnen, in dem wir ewig leben werden, und wo es keine Sorgen, Ängste oder Krankheiten mehr gibt, sondern nur noch Glückseligkeit.

Das wahre Leben ist also das Leben im Jenseits. Wer hingegen nicht an Gott glaubt oder anderes neben Ihm anbetet, muss damit rechnen, in die Hölle zu kommen.

„Wisst, dass wahrlich das diesseitige Leben nur ein Spiel und ein Zeitvertreib ist und ein Prunk und Geprahle unter euch und ein Wettrennen um Vermehrung von Gut und Kindern. Es gleicht dem reichlichen Regen, dessen Pflanzenwuchs den Säern gefällt. Dann verdorrt er, und du siehst ihn vergilben; hierauf wird er brüchig. Und im Jenseits gibt es eine strenge Strafe, aber auch Vergebung von Allah und Wohlgefallen. Und das diesseitige Leben ist nichts anderes als eine Nutznießung, durch die man sich betören lässt. Wetteifert denn miteinander um die Vergebung eures Herrn und um das Paradies, dessen Größe gleich der Größe des Himmels und der Erde ist. (Es ist für) jene bereitet, die an Allah und Seine Gesandten glauben. Das ist Allahs Huld; Er gewährt sie, wem Er will. Und Allah verfügt über die große Huld.“
(Koran, Sure 57, Verse 20-21).

Folglich besteht der Sinn des Lebens nach islamischem Verständnis darin, Gott auf bestmögliche Weise zu dienen.

„Und Ich habe die Dschinn und die Menschen nur darum erschaffen, damit sie Mir dienen.“
(Koran, Sure 51, Vers 56).

Das Bewusstsein darüber hilft den Muslimen, ihr Schicksal anzunehmen und fördert Charakterbildung und Moral.

Ein Muslim weiß, dass alles, was ihm passiert, von Allah (t.) so gewollt ist, was dazu führt, dass er sich in guten Zeiten dankbar zeigt und in schlechten Zeiten nicht verzweifelt.

Diese Einstellung ist jedoch kein Fatalismus; die Muslime sind sehr wohl dazu aufgefordert, ihr Möglichstes zu tun, um in diesem Leben und im Jenseits erfolgreich zu sein.

Dazu gibt es eine berühmte Überlieferung aus dem Leben des Propheten Muhammad (s.):
Als er einmal einen Beduinen sah, der sein Kamel nicht anband, fragte er ihn: „Warum hast du dein Kamel nicht angebunden?“ Der Beduine antwortete: „Ich vertraue auf Allah.“ Da sagte der Prophet: „Binde dein Kamel an, und dann vertraue auf Allah.“
(Überliefert bei At-Tirmidhi)

Der Muslim glaubt, dass der Zweck des Lebens der Dienst für Allah (t.) ist. Ihm zu dienen bedeutet, Ihn zu erkennen, Ihn zu lieben, sich Ihn hinzugeben und alle Lebensbereiche auf Gott auszurichten.